Beschäftigt man sich im deutschsprachigen Raum mit WordPress E-Commerce bzw. WooCommerce, stolpert man in aller Regel zwangsläufig über MarketPress. Das von MarketPress entwickelte Plugin German Market hilft dabei, WooCommerce-Shops in Deutschland und Österreich möglichst rechtssicher zu machen, und einfacher innerhalb der EU verkaufen zu können.

Heute habe ich ein Interview mit Michael von MarketPress zum Thema “WooCommerce in Deutschland” für euch - viel Spaß!

Wie seid ihr zu WordPress, zum E-Commerce bzw. ganz konkret auch zu WooCommerce gekommen?

Die ursprünglichen Gründer von MarketPress waren vor über 12 Jahren die Initiatoren der Community-Plattform WordPress Deutschland, wir sind also zusammen mit dem Open Source CMS aufgewachsen. 2012 haben wir schon früh das Potenzial von WooCommerce gesehen, das bis dahin kaum bekannt war. Mit German Market entwickelten wir daraufhin eine Lösung, die es erstmals ermöglichte, das System auch im deutschsprachigen Markt einzusetzen. Denn durch die hiesige Gesetzgebung müssen Shopbesitzer ja doch einige Besonderheiten berücksichtigen.

Warum gerade WordPress? Und warum ein reines Blog-CMS mittels Plugin als Shopsystem “missbrauchen”?

WordPress ist ja schon längst kein reines Blog-CMS mehr. Man kann mit dem System sehr umfangreiche Webseiten bauen - 28 Prozent aller Webseiten im Internet werden mit WordPress betrieben. Da lag es nahe, diesen Erfolg im Bereich E-Commerce zu wiederholen. Viele waren skeptisch, doch aktuell ist WooCommerce das erfolgreichste Shopsystem weltweit. Bis zu 42 Prozent aller Onlineshops weltweit laufen unter WooCommerce. Das liegt vor allem an den geringen Einstiegshürden, der kostenlosen Lizenz, den zahlreichen Erweiterungen und natürlich an der großen Verbreitung des Basissystems WordPress. Viele nutzen das CMS bereits für ihre “normale” Firmenwebseite, und da liegt es nahe, den Shop zum Portal ebenfalls mit WordPress und WooCommerce umzusetzen.

Könnt ihr ganz kurz und bündig erklären, was WooCommerce eigentlich ist?

WooCommerce ist ein kostenloses Plugin für WordPress, welches das CMS um Shopfunktionen erweitert. Noch vor wenigen Jahren waren diese recht einfach gehalten. Doch mittlerweile lassen sich ausgeklügelte Shop-Prozesse damit abbilden, von der komplexen Lagerhaltung und Bestellverwaltung über den individuellen Versand bis hin zur Integration verschiedenster Bezahlsysteme. Unsere Erweiterung German Market sorgt dabei unter anderem für die gesetzeskonforme Besteuerung (auch EU-weit), die richtigen Rechtstexte und notwendige Zusatzangaben, das Erstellen von Rechnungen & Co., und für die Anbindung an Drittsysteme wie Billbee. WooCommerce spielt also in der gleichen Liga, wie die nativen Shopsysteme.

(MarketPress German Market Plugin mit Billbee-Anbindung)

Was hat WooCommerce, was andere Shopsysteme nicht haben? Für wen eignet sich WooCommerce?

Der größte Vorteil ist sicherlich die sehr einfache Bedienung. Wer WordPress bereits eingerichtet hat, der kann in sehr kurzer Zeit einen einfachen Shop aufsetzen. Und das auch ohne größere IT-Kenntnisse. Alle wichtigen Funktionen lassen sich per Mausklick konfigurieren. Für Einsteiger haben wir in unserem Blog eine Tutorial-Serie erstellt, die Schritt für Schritt durch den kompletten Prozess führt. Zudem sind die Kosten für das System sehr überschaubar. WooCommerce selbst ist komplett kostenfrei. Für individuelle sowie größere Shops benötigt man jedoch in der Regel ein kostenpflichtiges Theme (so nennt sich das Design-Template für WooCommerce) sowie einige Premium-Erweiterungen. Doch selbst dafür liegen die Kosten nur im mittleren dreistelligen Bereich pro Jahr.

Das Gleiche gilt für das Hosting, hier muss es meist keine High-End-Lösung sein. Besonders schön: WooCommerce kann man über zusätzliche Lösungen prima skalieren, also immer weiter ausbauen. Wenn das Geschäftsmodell erfolgreich ist, sind auch Shops mit mehreren zehntausend Produkten gut zu meistern. Siehe dieses Beispiel aus der Praxis.

Wenn man keine Ahnung von IT und auch kein überragendes Budget hat, sollte man dann lieber die Finger von WooCommerce lassen und sich für ein SaaS wie Shopify, VersaCommerce oder ePages Now entscheiden?

Wer eine eCommerce-Idee zunächst einmal ausprobieren will, der kann natürlich zunächst auf eine reine Cloud-Lösung setzen. Allerdings können die Kosten dort sogar höher sein, durch die anfallende Grundgebühr und sonstige Provisionen. Nicht wenige Nutzer steigen nach einer Zeit auf WooCommerce oder andere Systeme um, weil ihnen die SaaS-Lösungen schlicht zu unflexibel sind. Es kommt auch hier darauf an, wie der Shop und seine Produktpalette aussehen, und welche Anforderungen daraus resultieren. Beispielsweise was eine individuelle Versandkostenberechnung anbelangt, oder die Schnittstellen zur Buchhaltung und zur Warenwirtschaft.

Gibt es Gründe, die gegen WooCommerce sprechen?

Portale, die sich weit weg von einem klassischen Shop bewegen, beispielsweise mit ausgeklügelten Buchungsprozessen, lassen sich ebenfalls mit WordPress und WooCommerce realisieren. Dann sollte man jedoch prüfen, wie viel Individualentwicklung notwendig wird, wie performant die Datenbank sein muss, welche Anforderungen es an die Sicherheit der Kundendaten gibt etc. Unter Umständen ist in solchen Fällen eine andere technische Basis besser geeignet. Auch bei sehr umfangreichen Marktplätzen mit Produkten im hohen fünfstelligen Bereich und mehr gelangt WooCommerce an seine Grenzen.

Thema Rechtssicherheit & Abmahnrisiko: Kann ich mich in Deutschland überhaupt 100% absichern bzw. schützen? Oder bleibt immer ein Restrisiko? Wie schlägt sich WooCommerce hier im Vergleich zu anderen Systemen?

Einen 100%igen Schutz gibt es leider nicht, da dies zu sehr von den individuellen Shop-Kriterien wie der Produktpalette, der Gestaltung, den Serviceleistungen, den Texten oder den gewährten Sonderangeboten abhängt. Zudem ändert sich die Rechtslage fortlaufend. Shopbesitzer müssen also ständig auf dem neuesten Stand bleiben. Und ihr System entsprechend technisch erweitern, oder aber eine Lösung wie German Market einsetzen. Dieses halten wir - zusammen mit Rechtsanwälten - stets aktuell. Es bietet die technologische Shop-Basis, um eine Abmahnung möglichst zu vermeiden. Trotzdem empfehlen wir, den Shop zusätzlich durch eine geeignete Kanzlei oder einen Rechtsdienst für Onlineshops überprüfen zu lassen, da es bei einigen Branchen und Produkten eigene Rechtsvorschriften gibt. Auch einzelne Inhalte wie die Produktbeschreibungen kann ein Tool natürlich nicht bewerten.

WooCommerce ist im Standard nicht für den deutschsprachigen Markt geeignet. Aber genau hierfür gibt es unsere Zusatzlösung. Damit ist das System aus technischer Sicht genauso gut aufgestellt, wie andere, die speziell für den hiesigen Markt entwickelt wurden.

Wir merken, dass gerade amerikanische Systeme in Deutschland immer beliebter werden. Liegt es daran, dass sich deutsche Händler zunehmend internationalisieren oder wird der europäische bzw. deutsche Markt für diese Systeme einfach interessanter und wichtiger, weshalb auch Marketing- und Entwicklungsressourcen entsprechend gesteuert werden?

Für den Hersteller von WooCommerce selbst - Automattic, das Unternehmen hinter WordPress.com - scheint der deutschsprachige Markt bis jetzt relativ uninteressant zu sein. Andererseits gibt es hierzulande eine sehr rege Entwickler-Community, welche die beiden Open Source Systeme aufgreift und mit Zusatzlösungen ausbaut. Dieser Ansatz, ein System von lokalen Communities betreuen zu lassen, entspricht auch der generellen “Politik” von WordPress. Es gab Versuche, ein rein deutschsprachiges Open Source Shopsystem aufzubauen. Doch diese waren bis jetzt nicht sonderlich erfolgreich. Und ja, ein weiterer Erfolgsbaustein von WordPress bzw. WooCommerce ist, das man es leicht internationalisieren kann, für mehrsprachige Webshops.

Was sind eure Top 3 Trends im E-Commerce für die nächsten Jahre?

Wir sehen bei unseren Kunden, dass kleine spezialisierte Shops entgegen allen Erwartungen wieder im Kommen sind. Es muss also nicht der Amazon-Konkurrent sein, der alles verkauft. Gerade Handgemachtes, das man eben nicht in den bekannten Ladenketten der Fußgängerzonen findet, kommt teilweise erstaunlich gut an.

Single Sign-on und ähnliche Systeme wie Amazon Payments - welche die Bezahlung in einer für den Kunden bekannten Form ermöglichen - gehören zu den technologischen Trends. Auch der mobile first-Ansatz ist bei den meisten Onlineshops noch längst nicht zu Ende gedacht.

Was den Shop-Content anbelangt, setzt sich Narrative Retailing langsam aber sicher durch. Dabei versucht man, die recht abgedroschene klassische Produktdarstellung aufzulockern, und Geschichten rund um die Warenwelt zu erzählen. Das soll zusätzliche Käufer anlocken. Es hat - richtig umgesetzt - auch SEO-mäßig einen sehr guten Effekt.

Ganz persönlich: Direkt zu Amazon oder Preisvergleich? 🙂

Ich persönlich meide Amazon mittlerweile, und nutze den Onlineshop des kleinen Buchhändlers um die Ecke. Onlineshops haben für mich eine große Zukunft, aber hoffentlich eine, welche die lokalen Märkte nicht vergisst.

Vielen Dank für das nette Interview!

David

David ist als Chief Revenue Officer bei Billbee verantwortlich für das Wachstum und die zukünftige, strategische Ausrichtung. Darunter fallen unter anderem die Bereiche Marketing, Vertrieb, Partnerschaften und Presse.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.